Kirche St. Johannis Harvestehude, Hamburg – Bachs Weihnachtskantaten im Gottesdienst

Bachs Weihnachtskantaten im Gottesdienst

Kantor und Organist

Christopher Bender

Denkt man an Weihnachten und Bach, denkt man unweigerlich an sein Weihnachts-oratorium. Doch unter den rund 300 Kantaten, die Bach geschrieben hat und von denen etwa 200 erhalten sind, finden sich zahlreiche weitere Kantaten, die er für diese Festzeit geschrieben hat. Unsere diesjährige Auswahl orientiert sich nicht stringent an der Weihnachtserzählung des Evangelisten Lukas. Dennoch wollen auch diese fünf Kantaten einen Bogen von der Menschwerdung im Stall bis zur Anbetung der drei Weisen spannen.

Den Auftakt macht die Kantate „Ich freue mich in dir“, die sich am gleichnamigen Gemeindelied von Caspar Ziegler orientiert. Da die Kantate ursprünglich für den dritten Weihnachtstag 1724 komponiert wurde, musste Bach die in den Tagen zuvor stark beanspruchten Kräfte der Mitwirkenden schonen. Die Besetzung ist reduziert und der Eingangschor verzichtet auf ausladende Figurationen im Chor. Dennoch ist die Kantate dem Anlass entsprechend fröhlich und bewegt und endet passend zum Zeitpunkt unserer Darbietung mit den Worten „Allein auf dich, mein Jesu, schlaf ich ein“.

1724 erklang am ersten Weihnachtstag die Kantate „Gelobet seist du, Jesus Christ“, die ebenfalls als Choralkantate konzipiert war. Dem festlichen Anlass entsprechend treten zur normalen Besetzung noch zwei Hörner und Pauken, so dass im Eingangssatz Streicher, Oboen, Hörner und Chor konzertant miteinander wetteifern können. Der Tenor besingt das weihnachtliche Mysterium „Gott, dem der Erden Kreis zu klein, will in der engen Krippe sein“, auf das der Chor im Schlusschoral mit den Worten „Das hat er alles uns getan, sein groß Lieb‘ zu zeigen an“ antwortet.

Da die Kantaten des zweiten Weihnachtstages der damaligen Lesungsordnung folgend das Leiden des ersten Märtyrers Stephanus in den Blick nahmen, fiel meine Wahl für den 26.12. stattdessen auf eine Kantate, die ebenfalls wie „Ich freue mich in dir“ ursprünglich für den dritten Weihnachtstag – allerdings im darauffolgenden Jahr 1725 – komponiert wurde. Wie im Jahr zuvor schonte Bach mit dieser Kantate die Kräfte seiner Thomaner und verzichtete auf den üblichen Eingangschor. An seiner Stelle steht eine berührende Sopran-Arie, die der Bach-Spezialist Alfred Dürr „eine der glücklichsten Eingebungen Bachs“ nennt. Hinter dieser außergewöhnlichen Arie tritt alles Folgende deutlich zurück. Mit einer Strophe aus dem bekannten Weihnachtslied „Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich“ endet diese Kantate.

Ebenfalls 1725 schrieb Bach für den letzten Sonntag des Jahres „Gottlob! nun geht das Jahr zu Ende“. Auf die einleitende Sopran-Arie, die der Kantate den Titel verlieh, folgt eine groß angelegte Choral-Motette über „Nun lob, mein Seel, den Herren“. Dankbarkeit über das, was einem Gutes in diesem Jahr wiederfahren ist, möchte Bach somit in den Mittelpunkt rücken.

Den Abschluss bildet die Kantate „Sie werden aus Saba alle kommen“, mit der Bach seine erste Weihnachtsfestzeit in Leipzig an Epiphanias 1724 beschloss. Nach der bildhaften Schilderung der Huldigung der drei Könige und der Aufforderung, dass auch wir Jesus unser Herz schenken, schließt die Kantate mit den Worten von Paul Gerhardt „Ei nun, mein Gott, so fall ich dir getrost in deine Hände.“

Mit diesen Gottesdiensten wollen wir Ihnen eine besondere Weihnachtszeit schenken und allen Menschen ermöglichen, in den Genuss besonderer Musik zu kommen.