Kirche St. Johannis Harvestehude, Hamburg – Ihr seid das Licht!

Ihr seid das Licht!

Predigt zur Konfirmation
Pastorin

Andrea Busse

Gottesdienste am 30 April und 1 Mai

Matthäus 5, 14-16

Predigt zur Konfirmation

Liebe Konfimand:innen,

fast zwei Jahre Konfirmandenzeit liegen hinter uns. Und nichts lief wirk­lich so wie geplant. Normalerweise steht im November, wenn man sich so ein bisschen kennen­gelernt hat, die Kirchenübernachtung auf dem Plan. Aber am 2. November 2020 kam ein sogenannter „Lockdown light“ und statt mit der ganzen Gruppe eine Nacht zu erleben, haben wir in Kleinstgruppen einen Gottesdienst vorbereitet. Ehrlich gesagt, da habt ihr mich zum ersten Mal überrascht. Ich lasse ja die Konfis gerne mitbe­stimmen, welche Themen sie interessieren und bei meiner Umfrage hat haushoch das Thema „Tod & Sterben“ gewonnen – so dass wir im November dazu einen Gottesdienst gemacht haben. Wow, dachte ich: Da geht es gleich ans Eingemachte, da geht es um Leben und Tod. Um Trauer. Und das, was wirklich zählt und wesentlich ist im Leben. Eigentlich wart ihr damit von Anfang an den entscheidenden Fragen dran, und ich erinnere bewegende Texte, die ihr für diesen Gottes­dienst geschrieben habt.

Durch den ersten November und Dezember haben wir uns also so durchgerettet, ab Januar ging dann nur noch Konfi-Unterricht per ZOOM. Sehr mühsam – für euch und für uns, die wir versucht haben mit Kahoot-Quizz, mit Montagsmaler und mit einer App auf den Spuren Jesu das Ganze trotzdem einigermaßen lebendig zu halten. Ich gebe zu, angesichts schwarzer Kacheln war das oft ziemlich zäh. Und dass auch die Freizeit, die wir für das Frühjahr 2021 geplant hatten, coronabedingt abgesagt werden musste, war die nächste Enttäuschung für uns alle. Im letzten Herbst haben wir dann die Chance genutzt und nachgeholt, was ging: die Freizeit und die Kirchen­übernachtung. Das war für viele ein Highlight. Für mich auch. Aber es blieb ein Auf und Ab: Die hohen Inziden­zien im Winter haben eine weitere geplante Freizeit Anfang dieses Jahres wieder unmöglich gemacht. Insofern haben wir viel Schönes miteinander erlebt, aber auch manche Enttäuschung.

Wenn ich mir das Gruppenbild anschaue, das wir damals im September 2020 hier draußen im Kirchgarten gemacht haben, und euch heute angucke, habt ihr euch ganz schön verändert. Nicht nur äußerlich. Manche, die zu Beginn in der Gruppe ruhig waren, sind nach und nach aufgetaut. Anderen habe ich die Belastungen der Coronazeit sehr angespürt. Manchmal hat sich die Kon­firmandenzeit in die Länge gezogen und jetzt habe ich das Gefühl, sie ist viel zu schnell rumgegangen. Keine Dienstag- und Mittwochnachmittage mehr mit euch – mit dem lachenden oder traurigen Smiley in unserer Anfangs­runde, mit euren Fragen, euren Ideen oder auch kritischen Stimmen.

Was bleibt nun? Was nehmt ihr mit, wenn ihr einge­segnet seid?
Ein paar Dinge nehmt ihr ganz wörtlich mit:
Ihr bekommt nachher eure Urkunde in die Hand gedrückt, in der euer Konfirmandenspruch steht. Ihr habt ihn euch alle selbst ausgesucht: Manche haben einen Vers gegen die Angst gewählt, manche das Ver­spre­chen, dass Gott zu finden ist und nahe bleibt. Manche Verse sollen euch Mut machen, sich nicht unter­kriegen zu lassen, auf sich selbst und auf Gott zu vertrauen. Manche geben eine Richtschnur für das Verhalten im Leben. Ich wünsche euch, dass ihr diesen Vers nicht vergesst, dass er euch begleitet und im entscheidenden Moment eine Hilfe ist.

Neben der Urkunde bekommt ihr auch eine Kreuzkette. Schon bei der Taufe habt ihr alle das Kreuzzeichen mit Salböl auf der Stirn empfangen, nun bekommt ihr es versilbert. Das Zeichen, dass ihr zu der Gemein­schaft derer gehört, die an Jesus, den Gekreuzigten glauben. Und auch wenn ihr in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so oft hierherkommt, wisst ihr doch: Ihr seid Teil dieser Gemeinde, die für euch mitbetet und euch begleitet.

Und dann nehmt ihr gleich noch etwas mit: Eure Kerze, die ihr gemein­sam bei unserem letzten Treffen gebastelt habt. Ein Licht nehmt ihr also mit. Licht ist ja etwas, wo­nach man sich ausrichtet, und so hoffe ich, dass euch in der Konfi-Zeit immer wieder ein Licht aufge­gangen ist, was ihr mit eurem Leben machen wollt, was wichtig für euch ist, was trägt, was euch Orientierung sein soll. Natürlich gibt es im Leben dunklere und heller Phasen – Corona war und ist sicher eher eine trübere. Eure Kerze, die nachher an der Osterkerze angezündet wird, soll ein Symbol dafür sein, dass dieses Licht stärker ist als alle Dunkelheit, sowie Ostern bezeugt, dass das Leben stärker ist als der Tod.

Aber diese Kerze steht nicht nur als Symbol dafür, dass der Glaube euch hoffentlich ein Lichtblick in eurem Leben ist. Sondern das Licht steht auch für euch und das, was in euch steckt. „Ihr seid das Licht der Welt!“ haben wir vorhin im Bibeltext gehört. Und dass ihr diese Überzeugung mit­nehmt, das ist mir wirklich wichtig. Eben nicht: Ihr könnt ein Licht sein, wenn ihr dies und jenes macht. Auch nicht, ihr könnt ein Licht sein, wenn ihr besonders über­zeugt glaubt und weiter zur Kirche kommt. Nein, ganz ohne Bedingung: Ihr seid ein Licht – so wie ihr seid! Da geht es nicht um Wissen und Können, sondern um Vertrauen.

Traut euch selbst etwas zu, weil Gott euch etwas zu­traut. Er traut euch zu, dass ihr die Welt erleuchtet. Und ich traue euch das auch zu, denn ich habe es selbst erlebt: Auch mir ist in der Zeit mit euch immer wieder ein Licht aufgegangen. Weil ihr Dinge in Frage gestellt habt, die mir so selbstverständlich schienen, weil ihr eine ganz andere Perspektive auf manches habt, weil ihr offen diskutiert und gezweifelt und eure eigenen Vorstellungen von Gott oder vom Glauben eingebracht habt.

Ich erinnere z.B., dass wir uns auf der Freizeit mit unterschiedlichen Gottesbildern auseinandergesetzt haben. Und ihr habt diese auf einer kleinen Holzplatte künstlerisch dargestellt: Da habe ich ganz neue Aspekte von Gott zu sehen bekommen. Gott ganz groß und weit als offener Himmel oder Regenbogen, Gott aber auch ganz nah. Eine von euch hatte die Holz­platte durchbohrt und einen Henkel daran gemacht mit der Begründung: Gott ist wie eine Handtasche, die ich überall mit hin­nehmen kann: Gott ist immer bei mir und versorgt mich mit dem, was ich brauche. Ja, da gab es viele Geistes­blitze in dieser Konfizeit, für mich und hoffentlich auch für euch.

Ihr habt was zu sagen – macht den Mund auf. Ihr glaubt an etwas, auch wenn ihr das sicher anders formuliert, als wir es vielleicht aus der Kirche kennen. Ihr leuchtet mit dem, was ihr mitbringt. Also lasst euer Licht leuchten, damit die Leute es sehen. Gott traut euch das zu. Und ihr könnt umgekehrt auch Gott zutrauen, dass er euch genau richtig so gemacht hat, wie ihr seid, so wie wir es vorhin im Psalm gehört haben:

Ich danke Gott, dass er euch wunderbar geschaffen hat.

Vertraut auf das, was Gott in euch gelegt hat, vertraut darauf, dass er an eurer Seite ist.
Dann werdet nie ganz im Dunkeln stehen und ihr werdet anderen ein Licht sein. Amen.