Kirche St. Johannis Harvestehude, Hamburg – Ist BIO besser fürs Klima? Nachhaltige Landwirtschaft

Ist BIO besser fürs Klima? Nachhaltige Landwirtschaft

Theologischer Impuls im Gottesdienst DENKEN & BETEN am 6. Februar
Pastorin

Dr. Claudia Tietz

Sonntag, 6. Februar 2022

Theologischer Impuls zu 1. Mose 9, 7–17

Predigttext 1. Mose 9, 7–17

Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und reget euch auf Erden, dass euer viel darauf werden. 8 Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm: 9 Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen 10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden. 11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. 12 Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: 13 Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. 15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. 16 Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. 17 Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

 

Theologischer Impuls

Gnade sei mit euch und Friede von Gott!

„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“

So haben wir eben gesungen.

Der deutsch-israelische Journalist, Schriftsteller und Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin schrieb diese Zeilen 1942. Er nannte sein Gedicht „Das Zeichen“. Schrieb es, als sich die Schreckensmeldungen über den Krieg und die Vernichtung seines Volkes häuften. Verzagt und hoffnungslos, tröstete ihn die leise Botschaft des Mandelbaums. Denn er blüht, wenn noch alles kahl ist und auf den Hügeln rund um Jerusalem noch Schnee liegt. Bis heute ist in Israel der Mandelbaum ein Symbol für das neue Leben nach dem Winter.

„Das Zeichen“ – wie auch der Regenbogen ein Zeichen ist für das Leben. Für Gottes Bund mit seinen Menschen und seiner Schöpfung. Trotz der Katastrophe der Sintflut.

Ein Zeichen, das nach dieser Katastrophe sowohl die Menschen und die Tiere – an die sich Gott in seiner Rede an Noah im biblischen Text auch wendet – als auch Gott selbst brauchen. Immer wieder heißt es am Ende der Geschichte von Noah und der großen Flut, dass Gott an seinen Bund denken will, wenn er den Bogen in den Wolken sieht. So, als wolle er sich selbst immer wieder daran erinnern. Daran denken, dass er seinen Bogen – der im Alten Orient die gefährlichste Waffe war, da man mit ihr besonders weit und aus dem Hinterhalt schießen konnte – in die Wolken gesetzt hat. Vom „Regenbogen“ ist im Text ursprünglich nicht die Rede, sondern von dem kriegerischen Bogen, der Waffe, die Gott abgelegt hat. Wie ein Zeichen der Abrüstung und Gewaltfreiheit. Mit dem er nun zugleich seine Herrschaft über Himmel und Erde markiert.

Einen Bund will Gott eingehen zwischen sich und allem Lebendigen der Erde. Er wiederholt es so oft, dass auch der Letzte begreifen muss: Gott will seinen Bund halten. Er will noch einmal von vorn anfangen. Nicht, weil die Menschen sich geändert hätten. Daran glaubt Gott wohl selbst nicht mehr. Nein, er will nicht mehr als Krieger eine Besserung der Menschen erzwingen, sondern er will als Anwalt und Hüter der guten Schöpfung auftreten. Er will den Geretteten, den Heimatlosen einen Platz in der Welt geben. Er will die Verletzten, die Überlebenden trösten.

Dabei ist auch Gott ein Überlebender. Die Flut hat auch ihn verwandelt.

Die ersten Kapitel der Bibel beschreiben eine dramatische Entwicklung Gottes: In den Schöpfungsmythen wird eine ideale Welt beschrieben. Doch die Menschheit gefährdet diese Welt durch ihren gewalttätigen Egoismus. Gott reagiert darauf zunächst wie ein enttäuschter Idealist: Wenn die Welt, wenn die Menschen nicht so sind, wie sie sein können, dann sollen sie gar nicht sein. Gott muss erst lernen, mit dem Bösen zu leben. Er verändert sich durch die Sintflut von einem Idealisten zu einem utopischen Realisten.

Die Welt ist nicht, wie sie sein kann, nicht ideal, nicht konfliktlos, nicht unerschöpflich, aber sie ist lebenswert. Sie ist sozusagen die Zweitbeste aller Welten. Und trotzdem bleibt Gott ihr treu, bleibt er ein Liebhaber des Lebens. Er merkt, dass er die Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen kann. Dennoch will er die Utopie der guten Schöpfung weiter verfolgen. Er will dem Egoismus, dem Bösen nicht die Macht überlassen. Er will seinen Bund halten. Das ist Gottes Schwur, den er mit dem Zeichen des Bogens besiegelt.

Ob Gott wohl damals schon geahnt hat, wie oft er noch unter der Welt und den Menschen leiden würde?

Sein Gesprächspartner in der Sintflut-Geschichte ist Noah. Der Name „Noah“ heißt im Deutschen „der Tröstende“. Wen Noah wohl tröstet, da doch nur seine Familie überlebt hat? Als einziger steht ihm ja Gott gegenüber. Tröstet Noah vielleicht Gott? Braucht auch Gott Trost?

Der Regenbogen erinnert Gott und uns an die Utopie einer guten Schöpfung. An die Möglichkeit von Neuanfängen und Aufbrüchen. An Trost und Ermutigung, die wir brauchen angesichts von zerstörerischem Egoismus. An den Bund, die Verbindung zwischen Gott und den Menschen, die gemeinsam an dieser Schöpfung festhalten, an Frieden und Gerechtigkeit und Gottes Schalom.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.