Andrà tutto bene – Alles wird gut

Ostergottesdienst 2020
Pastorin

Dr. Claudia Tietz

Ostersonntag am 12. April 2020

Gottesdienst

Gnade sei mit euch und Friede von dem,
der lebt und lebendig macht!

Ostern ist da! Der Ostermorgen, an dem wir Gottes Sieg über die tödlichen Mächte feiern. Das große Fest der Auferstehung und des Neuanfangs.

Und doch scheint heute die gefühlte Passionszeit, in der wir uns durch die Corona-Krise seit vier Wochen befinden, nicht vorbei zu sein. Hört trotz Ostern die Fastenzeit für uns nicht auf. Das uns auferlegte, sinnvolle Fasten realer Begegnungen und Kontakte, unser Verzicht auf unsere Familien und Freunde, auf Osterbesuche und gemeinsame Ausflüge.

Ein besonderes Osterfest, an dem wir uns heute nicht im Morgengrauen in der Kirche versammeln und einander das Osterlicht weitergeben. An dem wir nicht einander zurufen: „Christus ist auferstanden!“ Nicht nach dem Gottesdienst zusammen in den Kirchgarten laufen, um Ostereier zu suchen – in der Hoffnung, dass sie während des Gottesdienstes nicht andere eingesammelt haben.

Ein besonderes Osterfest, in dem wir noch mehr als sonst herausgefordert sind, die Osterbotschaft innerlich zu fassen – und ihr äußerlich Ausdruck zu geben oder ihren Ausdruck in unserem Leben, in unserer Zeit zu suchen.

Meine Augen sind in dieser Passions- und Osterzeit auf den Altar in St. Johannis gerichtet. Manchen, die in den letzten Wochen unsere täglich geöffnete Kirche besucht haben, mag es ähnlich gegangen sein. Dass sie beim Beten, beim Kerzenanzünden, für sich in der Stille unseren Altar betrachtet haben.

Der vergoldete Altar, der wie das leuchtende Christusfenster darüber gleich alle Blicke auf sich zieht, sobald man die Kirche betritt.

Im unteren Bild, am besten zu erkennen, das Abendmahl – unverkennbar in Aufnahme der berühmten Abendmahlsdarstellung von Leonardo da Vinci. Jesu letztes Essen mit seinen Jüngern am Abend vor seinem Tod. Zwischen Brot und Wein liegt schon der Beutel mit den Silberlingen auf dem Tisch, die Judas dafür bekommen hat, dass er verraten hat, wer Jesus ist.

In der Mitte in einer Mandorla, wie in einem großen Heiligenschein, die Kreuzigung. Maria, Jesu Mutter, und sein Freund Johannes stehen unter dem Kreuz. Maria weint, Johannes scheint in die Zukunft zu schauen. Engel umgeben das Geschehen – als sei Gott durch seine Boten auch in Schmerz, Tod und Trauer anwesend.

Nicht leicht zu erkennen, zeigt die Spitze des Altars den Ostermorgen. Unseren Blicken fast entzogen, steht Jesus von den Toten auf, unbemerkt von den schlafenden Soldaten, die sein Grab bewachen sollen. – Ein Osteraltar, der von Gründonnerstag über Karfreitag bis hin zum Ostermorgen reicht.

Und darüber das zentrale, strahlend farbige Kirchenfenster, das Jesus Christus im Himmel zeigt. In der linken Hand hält er die Schlüssel, um uns den Himmel aufzuschließen. In der Rechten das Buch des Lebens, in dem alle Geschichten von Gott mit seinen Menschen geschrieben stehen.

Jesus sitzt in einem leuchtenden weiß-gold-roten Festgewand auf dem siebenfarbigen Regenbogen. Von Blumen wie von Sternen umkränzt…

Der Regenbogen, den Gott nach der Sintflut an den Himmel gesetzt hat, um sich selbst daran zu erinnern, auch in Enttäuschung und Wut die Erde niemals wieder zu vernichten. Das Leben zu bewahren – komme, was wolle. Der Regenbogen, der uns Gottes Liebe und Geduld versichert. Der für uns plötzlich unverhofft zwischen dunklen Wolken aufblitzen kann, Horizonte miteinander verbindet.

In der Corona-Krise ist der Regenbogen wieder zum Hoffnungssymbol geworden. In einem Video aus Italien sah ich ihn zuerst: Eine junge Frau stand mit einem Baby auf dem Arm auf einem Balkon, während ein Mann am Geländer ein Transparent befestigte. Darauf ein bunter Regenbogen und die Worte: „Andrà tutto bene“ – „Alles wird gut“. Die Frau mit dem Kind lachte und winkte in die Kamera.

Wie Weihnachten und Ostern zusammen kam mir der Clip vor. Die Frau wie Maria mit dem Jesuskind im Arm, wie mit dem Retter, der Hoffnung der Welt. Und der Vater, der auf den Regenbogen hinweist und uns erinnert: „Alles wird gut! Das Licht, das Leben, die Farben werden siegen über das, was uns jetzt ängstigt und quält.“

Ein universelles Hoffnungszeichen, das in Italien, wie in Ghana oder New York verstanden wird, das schon kleine Kinder intuitiv erfassen können. Blumen, Sterne, Schmetterlinge, Hummeln, Vögel und der Regenbogen als unverwüstliche Zeichen und farbige Boten der Freude Gottes am Leben.

Der Regenbogen, der die Enden der Welt miteinander verbindet. So, wie wir jetzt in dieser Pandemie miteinander verbunden sind. Wie Nachbarn, Freunde und freiwillig Engagierte sich zusammenschließen, am anderen zu helfen. Wie wir mit unseren Eltern und Enkeln, unseren Freundinnen und Freunden verbunden bleiben, auch wenn wir uns nicht sehen, nicht zusammen Ostern feiern können.

Gottes Regenbogen am Himmel löst unsere Blicke vom Dunklen, Bedrohlichen, das uns bedrückt und bannt. Dass wir uns aufrichten, aufsehen und aufstehen. Jetzt in dieser Zeit gegen Krankheit, Ungerechtigkeit und Leid – und in der kommenden Zeit aus den Toten.

„Somewhere over the rainbow“, wie es zuerst Judy Garland 1939 im Film „Der Zauberer von Oz“ gesungen hat: „Somewhere over the rainbow… sometime over the rainbow…“ wird wahr werden, wovon wir jetzt träumen. Woran wir jetzt glauben. Dass Gottes Liebe zum Leben stärker ist als der Tod. Und dass wir mit dieser Liebe unverbrüchlich verbunden sind, jetzt und allezeit, wie durch einen Regenbogen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.