Konfirmation
mit Vikarin Olivia Graffam
Bibeltext:
Das ist mein Gebot: Ihr sollt einander lieben – so wie ich euch geliebt habe. Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr mein Gebot befolgt. Ich bezeichne euch nicht mehr als Diener. Ein Diener weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr nenne ich euch Freunde. Denn ich habe euch alles anvertraut, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich ausgewählt, sondern ich habe euch ausgewählt. Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hinausgeht und reiche Frucht bringt. Eure Frucht wird Bestand haben: Alles, worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben. Das ist mein Gebot für euch: Ihr sollt einander lieben!«
Predigt:
Liebe Familien, Liebe Gäste, Liebe Gemeinde und natürlich liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen,
heute werdet ihr viele Karten bekommen. Darauf wird stehen: Alles Gute zur Konfirmation. Oder: Herzlichen Glückwunsch. Nachher vor der Kirche werden Menschen euch genau das wünschen. Ihr werdet Geschenke auspacken, Fotos machen und gemeinsam feiern. Und das ist gut so. Denn besondere Tage sollte man feiern. Von ihnen kann man ein Leben lang zehren. Und die Konfirmation gibt es schließlich nur einmal im Leben.
Heute, an diesem einmaligen Festtag empfangt ihr Gottes Segen. Jede und jeder von euch empfängt heute Gottes gute Kraft zum Leben.
Im Psalm haben wir vorhin gemeinsam gebetet: Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens. Eine Quelle sprudelt. Sie erfrischt. Sie hört nicht einfach auf zu fließen, sondern spendet immer wieder neues Wasser. So ist auch Gottes Segen. Segen ist eine Kraftquelle. Er ist das Gute, das uns begegnet. Er lässt uns in schwierigen Zeiten durchhalten. Er richtet uns wieder auf, wenn wir gefallen sind. Segen ist die Zusage: Du musst dein Leben nicht allein tragen.
You can count on me – du kannst auf mich zählen! Diese Liedzeile von Bruno Mars, die Ntiimi für uns gesungen hat, lässt sich wunderbar als Gottes Zusage an uns hören. Denn im heutigen Evangelium nennt Jesus uns seine Freunde und Freundinnen: Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt. Ihr seid meine Freunde.
Solltest du dich jemals mitten auf dem Meer wiederfinden
Werde ich die Welt umsegeln, um dich zu finden.
Solltest du dich jemals in der Dunkelheit verirren und nichts mehr sehen können
Werde ich das Licht sein, das dich leitet.
Heißt es im Lied von Bruno Mars weiter – es sind biblische Bilder, die in diesem Lied aufgegriffen werden, um die Freundschaft zu besingen. Gott als Licht, das uns den Weg weist. Gott als Wegbegleiter. Gott als Hirte, der jedes einzelne Schaf sucht, das sich verirrt hat.
Und ich denke, es ist nicht verwunderlich, dass in einem Popsong, der zwischenmenschliche Freundschaft besingt: biblische Bilder auftauchen. Denn wir erfahren Gottes Nähe und Liebe in unserem Leben ganz häufig durch andere Menschen. Durch unsere Eltern, die stets an unserer Seite sind. Durch Freunde und Freundinnen, die uns zuhören und für uns da sind. Durch Menschen, die uns etwas zutrauen und uns Mut zu sprechen. Durch Menschen, die mit uns lachen und auch mit uns weinen. Wo Menschen einander Liebe schenken, da wird etwas von Gottes Liebe sichtbar. Da wird etwas von Gottes Segen spürbar, den Gott euch heute schenkt:
Du kannst auf mich zählen, verspricht Gott.
Diese Zusage ist euch wichtig. Das haben einige von euch zu ihrer Wahl des Konfispruchs geschrieben. Ihr erhofft euch von Gott Schutz, Sicherheit und Geborgenheit für euer Leben. Ihr wollt in dem Vertrauen auf Gottes Zusage, dass er euch stets begleiten wird leben – ihr hofft auf Mut, Kraft und Vertrauen in euerem Leben.
Genau das verspricht Gottes Segen: You can count on me – du kannst auf mich zählen.
Wenn das Leben leicht ist.
Aber genauso dann, wenn es schwer wird.
Wenn du mutig bist.
Und auch dann, wenn dir der Mut fehlt.
Wenn du deinen Weg kennst.
Und auch dann, wenn du ihn gerade suchst.
Gottes Ja zu euch steht am Anfang. Es wurde euch bei eurer Taufe bereits zugesprochen. In der Taufe hat Gott zu euch gesagt: Du bist mein geliebtes Kind. Ich werde dich nicht verlassen.
Heute antwortet ihr auf dieses Ja mit eurem eigenen Ja. Ihr sagt damit: Ich möchte, dass Gott und der Glaube einen Platz in meinem Leben haben. Damit habt ihr eine wichtige Entscheidung auf eurem Weg zum Erwachsenwerden getroffen, auf dem die Konfirmation heute eine Etappe ist. Zum Glück seid ihr mit dem heutigen Tag noch nicht sofort erwachsen.
Zum Glück habt ihr noch Zeit. Zeit zum Ausprobieren, zum Fragen, zum Wachsen.
Eure Familien begleiten euch weiterhin. Und doch merkt ihr vielleicht bereits, dass ihr eure eigenen Überzeugungen und Meinungen entwickelt. Dass ihr vielleicht nicht mehr mit allem, was eure Eltern sagen, einverstanden seid.
Denn Erwachsenwerden bedeutet immer eigenständiger zu werden. Es bedeutet seine ganz eigene Persönlichkeit zu entfalten und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen. Erwachsenwerden bedeutet, Schritt für Schritt herauszufinden: Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Und wie möchte ich leben?
Über diese Fragen haben wir in der Konfizeit gemeinsam nachgedacht. Natürlich haben wir darauf keine fertigen Antworten gefunden. Ich glaube das sind Fragen, die euch weiterhin begleiten werden und die uns alle hier begleiten. Nicht nur mit vierzehn. Auch mit dreißig. Mit fünfzig. Vielleicht sogar noch mit achtzig. Denn wir alle bleiben Suchende – ich glaube, das ist nichts Schlechtes. Den wer sucht, bleibt offen: für neue Erfahrungen und Perspektiven, für andere Menschen und für Gott.
Ich erinnere mich gut an die Stunde, in der ihr ein Glas mit unterschiedlich großen Steinen befüllt habt. Das Glas stand für eure Lebenszeit. Auf den Steinen standen Dinge, die euch wichtig sind. Und ihr habt euch sehr genau überlegt, womit ihr es füllen möchtet. Was soll viel Raum einnehmen und was weniger? Was ist mir wirklich wichtig?
Eine von euch schrieb mir zu ihrem Konfispruch: „Viel erscheint wichtig: Erfolg, Geld oder Bekanntheit. Aber am Ende sind es andere Dinge, die wirklich zählen: Glaube, Hoffnung und Liebe.“
Das hat mich beeindruckt. Denn oft sagt unsere Welt etwas anderes. Sie sagt: Leiste etwas. Sei perfekt. Vergleiche dich mit anderen. Aber Gott schaut anders.
„Gott liebt dich, wie du bist.“ Und ich glaube, das stimmt – und gleichzeitig geht Gottes Liebe noch weiter: Gott liebt dich, wie er dich sieht. Er sieht mehr als deine Fehler. Mehr als das Bild, was andere von dir haben. Mehr als die Ewartungen, die andere an dich stellen oder die du selbst an dich hast. Gott sieht dein ganzen Potenzial. Gott sieht den Menschen, den er gemeint hat. Gottes Liebe sagt nicht: Bleib, wie du bist. Sie sagt: Komm, werde der Mensch, als den ich dich gedacht habe. In dir steckt so viel Wunderbares – ich helfe dir dabei, es jeden Tag aufs Neue hervorzuholen. Glaube ist mehr als Bestätigung. Glaube ist Verwandlung.
Und so verändert Glaube auch unseren Blick auf unsere Welt. Auf andere Menschen. Jesus sagt im heutigen Evangelium zu uns: „Liebt einander.“
Das bedeutet: Im anderen Menschen zuerst einen Mitmenschen zu sehen. Ein geliebtes Kind Gottes. Davon habe ich etwas auf unserer Konfifahrt gespürt. Als ihr alle mit großer Geduld und Aufmerksamkeit eure Taufgeschichten und Bilder miteinander geteilt habt. Das war eine Runde, die mich sehr angerührt hat. Ihr habt euch gemeinsam daran erinnert, dass Gottes Ja jedem einzelnen von euch gilt.
Mit der Wahl eurer Konfisprüche habt ihr deutlich gemacht, dass euch die glaubende Perspektive auf die Welt wichtig ist. So schrieb jemand: Frieden ist das wichtigste. Auch im Bezug darauf, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Und jemand anders schrieb: Es ist wichtig für Gerechtigkeit einzustehen und Menschen, die das bereits tun als Vorbild zu nehmen.
Jemand weiteres von euch schrieb: Mein Konfispruch soll mir helfen, offen durch das Leben zu gehen, Neues zu entdecken und auf Gottes Zeichen zu achten.
Wer Gott einen Platz in seinem Leben gibt, der sieht die Welt mit anderen Augen: der sieht in unserer Mitwelt Gottes gute Schöpfung, die unseren Respekt verdient hat. Der sieht in all dem Guten, das uns wiederfährt Gottes Gegenwart und empfindet Dankbarkeit. Und, wer Gott in sein Leben lässt, der gewinnt auch eine neue Perspektive auf sich selbst. So schrieb jemand von euch zu ihrem Konfispruch: Gott achtet auf das Innere, nicht auf das Äußere wie wir Menschen häufig – Gott liebt dich, so wie du bist und sieht dein wahres ich.
In unseren Top-und-Flop-Runden habt ihr erzählt, wie groß der Druck vor allem in der Schule für euch manchmal ist. Gute Noten. Erwartungen erfüllen. Niemanden enttäuschen. Mitten dahinein spricht Gott: Du bist mein geliebtes Kind. Du musst dir meine Liebe nicht verdienen. Du bist angenommen.
Und gerade deshalb darfst du wachsen und dein volles Potenzial entfalten. Aus der Gewissheit, dass Gott schon Ja zu dir gesagt hat.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.