Kirche St. Johannis Harvestehude, Hamburg – Konfirmation

Konfirmation

Festgottesdienst am 27. Juni
Pastorin

Andrea Busse

Predigt zu Markus 4, 35–41

Biblischer Text:

Am Abend jenes Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Kommt, wir fahren zum anderen Ufer hinüber!« Die Jünger verabschiedeten die Leute; dann stiegen sie ins Boot, in dem Jesus saß, und fuhren los. Auch andere Boote fuhren mit. Da kam ein schwerer Sturm auf, sodass die Wellen ins Boot schlugen. Das Boot füllte sich schon mit Wasser, Jesus aber lag hinten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Die Jünger weckten ihn und riefen: »Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?« Jesus stand auf, sprach ein Machtwort zu dem Sturm und befahl dem tobenden See: »Schweig! Sei still!« Da legte sich der Wind und es wurde ganz still. »Warum habt ihr solche Angst?«, fragte Jesus. »Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?« Da befiel sie große Ehrfurcht und sie fragten sich: »Wer ist das nur, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen!«

 

Predigt:

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
unsere Treffen haben wir immer begonnen mit einer Top und Flop-Runde: Was läuft gut und macht euch glücklich, was nervt oder belastet.

Heute ist ein Top-Tag würde ich sagen. Heute werdet ihr gefeiert. Ihr bekommt Gottes Segen zugesprochen, Familie und überhaupt die Menschen, die euch nahestehen, sind hier, um das mit euch zu feiern. Vermutlich bekommt ihr Geschenke, habt eine nette Location gebucht und einen schönen Tag geplant. Hoffentlich könnt ihr ihn in vollen Zügen genießen.

Leider gibt’s nicht immer nur Top-Tage, unsere An­fangsrunden haben auch das gezeigt. Manchmal geht es ganz schön rau zu: Dann werden drei Arbeiten in einer Woche geschrieben, eine Präsen­tation muss vorbereitet werden oder es gab Noten zurück, mit denen ihr nicht zufrieden wart. Oft hattet ihr ein ziemlich volles Programm: Schule mit allem, was dazugehört, Sport oder Musik, was ihr eben so in der Freizeit macht, und dann auch noch Konfirmandenunterricht.

Diese Lebensphase ist eine ganz schöne Heraus­forderung. Früher hat man gesagt: Mit der Konfirmation beginnt das Er­wachsenenleben. Heute ist das eher eine lange Phase des Übergangs. Dazu gehört:
Lust auf Selbstständigkeit und gleichzeitig Sehn­sucht nach Geborgenheit, vor Kraft und Energie strotzen und trotzdem mit Selbstzweifeln kämpfen, sich ausprobieren und auf die Nase fallen,
cool sein wollen, aber unglaublich verletzlich sein, um Anerkennung anderer buhlen und es gleichzeitig hassen, dass jeder an einem zieht und zerrt. Ihr sollt oft schon alleine Ver­ant­­­wortung übernehmen, aber an­derer­seits dürft ihr bei vielen noch nicht so wirklich mitbe­stimmen.

Für manche ist diese Übergangsphase eine schreckliche Zeit, für manche die tollste überhaupt und für die meisten wohl beides gleichzeitig. Es ist eine Achterbahnfahrt aus Tops und Flops. Ihr seid mitten in der Überfahrt von der Kindheit ins Erwachse­nenleben und so eine Fahrt kann ganz schön stürmisch sein.

Wir haben die Geschichte gehört, wie Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war von einem Ufer zum anderen. Und dann kam der Sturm, heftige Wellen setzen dem Boot zu, das Wasser läuft rein. Die, die drinnen sitzen, kriegen es natürlich mit der Angst zu tun.

Ich glaube, ihr kennt das Gefühl, wenn alles einfach zu viel ist und euch überschwemmt, wenn der Boden unter den Füßen wankt. Ihr habt euch selbst Bibelverse als Konfirmationsspruch ausgesucht. Bei vielen klingt durch, dass ihr euch jemanden wünscht, der euch Halt gibt und beschützt. Da heißt es z.B.
Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nicht den Mut oder
Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir
Du hältst deine Hand über mir oder
Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Solche Mutmach-Sprüche haben viele von euch gewählt.
„Ich finde es gut zu wissen, dass Gott immer bei mir ist, egal, was kommt.“ – so hat einer von euch als Begründung dazu ge­schrieben.

Gott ist mit im Boot bei eurer Lebensfahrt – das wollten wir euch in der Konfirmandenzeit vermitteln.
Aber was macht Jesus eigentlich in der Geschichte vom Sturm? Erstmal gar nichts. Als es bedrohlich wird mit dem Unwetter, schläft er seelenruhig. Er hat es sich richtig schön bequem gemacht auf seinem Kissen und kriegt nichts mit von der Gefahr. Vielleicht ist das manchmal auch euer Gefühl: Gott regt sich nicht, er hält sich raus. Gott hält mir den ganzen Flop-Kram nicht vom Hals.

Das stimmt: Es gibt die Flops und die Stürme. Manchmal fühlt ihr euch überfordert von dem, was ihr alles machen und leisten sollt, manchmal seid ihr enttäuscht von euch selbst oder von anderen. Manchmal verletzten uns Menschen, von denen wir es gar nicht erwartet haben. Geht uns Erwachsenen übrigens auch noch so. Und es kann sein, dass wir gerade dann, wenn es uns nicht so gut geht oder wenn uns etwas bevorsteht, dass wir dann wenig von Gott spüren.

Aber – so erzählt es die Geschichte und so verheißen es eure Konfirmationssprüche: Gott ist trotzdem da. Die Jünger rufen Jesus. Sie wenden sich ihm zu, sie rütteln ihn wach. Gott wird sich nicht in euer Leben drängen. Es ist eure Entscheidung, ob ihr euch an ihn wendet. Ob ihr ihn anruft, ob ihr von ihm Hilfe erwartet. Mit eurer Konfirmation trefft ihr diese Entscheidung. Ihr sagt: Irgendeine Rolle soll der Glaube in meinem Leben spielen. „Ich glaube daran, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin“. So konnte ich es in dem lesen, was ihr zu euren Konfisprüchen geschrieben habt. Z.B. auch
„Ich kann mich Gott anvertrauen und weiß, dass er mich auf­fängt, wenn falle.“ oder
„Gott steht mir zur Seite, egal, was ich tue.“
„Ich muss nicht perfekt sein.“
„Gott gibt mir Sicherheit, den richtigen Weg zu finden.“
„Ich kann nach vorne blicken und ohne Angst leben.“
Das ist eigentlich das Wesentliche im Glauben. Dass ihr darauf vertrauen könnt: Ihr seid nicht allein im Boot. Gott ist da und ihr könnt euch an ihn wenden. Ihr könnt ohne Angst leben, weil da jemand ist, der euch hält. Ihr dürft euren eigenen Weg suchen, dabei auch Fehler machen. Ihr seid geliebt. Immer Gottes Kind.

Das ist das Grundvertrauen, das nicht nur durch die Flops trägt, sondern euch den Mut gibt, euch auszuprobieren. Auch das haben die Jünger getan. Petrus hat einmal, als sie mit dem Boot auf dem See waren, sogar versucht wie Jesus übers Wasser zu gehen. Das ist eine andere Geschichte, aber – wie es ein Konfirmationsspruch ausdrückt: „Alles ist möglich, dem der glaubt“

Man kennt das ja von sich selbst: Wenn man an sich glaubt, wenn man sich etwas zutraut, dann erreicht man viel mehr, als wenn man gleich ängstlich an etwas herangeht und sowieso der Meinung ist, man kriegt das nicht hin. Gemeint ist hier aber nicht nur der Glauben an sich selbst, sondern auch an Gott. Dieser Glaube eröffnet eine andere Welt. Eine Welt, die nicht an den Grenzen menschlicher Möglich­keiten endet. So wie wir das eben bei der Sturmstillung gehört haben.

Ich wünsche euch, dass ihr diesen Glauben, diesen Mut, dieses Selbstvertrauen aus der Konfirmandenzeit mit auf eure Lebens­fahrt nehmt. Ihr habt was zu sagen – macht den Mund auf. Ihr glaubt an etwas, auch wenn ihr das sicher anders formuliert, als wir es vielleicht aus der Kirche kennen. Ihr könnt etwas ändern mit dem, was ihr jeweils an Begabungen einbringt. Gott traut euch das zu. Und ihr könnt umgekehrt Gott zutrauen, dass er das Boot nicht untergehen lässt.
Um noch einmal in den Worten des Psalms zu sprechen:

Gott behütet uns und hilft uns,
vor wem sollten wir uns fürchten?
Gott gibt uns Kraft und Mut, wovor sollten wir Angst haben?
Wenn wir meinen, wir schaffen es nicht, dann denken wir daran, dass Gott uns hilft.
Zeige uns den Weg, den wir gehen sollen;
lass uns erkennen, was gut ist für uns und für andere,
damit wir alle uns am Leben freuen können. Amen.